Ein Schlüssel liegt auf einer flachen Handinnenfläche

Schon 29 Housing-First-Wohnungen in NRW

Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW und fiftyfifty holen Wohnungslose von der Straße

Zusammen mit seiner Mitgliedsorganisation fiftyfifty gründete der Paritätische NRW vor anderthalb Jahren das landesgeförderte Gemeinschaftsprojekt Housing-First-Fonds. Der Fonds versetzt Organisationen der Wohnungslosenhilfe in die Lage, den vielversprechenden Housing-First-Ansatz umzusetzen. In der Projektlaufzeit sind bislang auf diese Weise schon 29 Wohnungen für Obdachlose akquiriert worden – und es sollen noch mehr werden.

Konzept Housing First funktioniert gut

Zuerst einmal weg von der Straße. Zunächst einmal eine eigene Wohnung anstelle einer Notunterkunft. Und erst dann nach und nach mit fachlicher Unterstützung die anderen Probleme lösen, sofern dies gewünscht wird. Dies ist – in Kürze – das Konzept von Housing First. Christian Woltering, Landesgeschäftsführer des Paritätischen NRW, ist überzeugt vom neuen Ansatz in der Wohnungslosenhilfe. „Housing First bietet viele Vorteile, ist innovativ und bewirkt bisweilen kleine bis größere Wunder: stabilere Beziehungen zu den Mitmenschen, Reduzierung oder Überwindung von Suchtmittelkonsum, manchmal sogar die Rückkehr in die Arbeitswelt.“ Trotz vieler Erfolge kommt der innovative Ansatz in der Wohnungslosenhilfe in Deutschland bislang kaum zur Anwendung. „Wir wollen das ändern! Was bei fiftyfifty in Düsseldorf schon länger gut funktioniert, soll auch woanders ermöglicht werden“, so Woltering. 60 Langzeitobdachlose wurden in fast vier Jahren von fiftyfifty über Housing First in Düsseldorf von der Straße geholt. Der Paritätische NRW und seine Mitgliedsorganisation brachten daher das Gemeinschaftsprojekt auch in anderen Städten an den Start. 14 Organisationen der Wohnungslosenhilfe aus ganz NRW konnten seit Anfang 2018 für das Projekt Housing-First-Fonds gewonnen werden. 29 Wohnungen quer durchs Land sind mittlerweile in der Kaufabwicklung, in Renovierung oder sogar schon bewohnt.

Überblick über bereits gekaufte Wohnungen

Unter den Organisationen, die bei dem Projekt mitmachen und Wohnungen kaufen, gehören viele Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW. So kaufte die Initiative Vision:Teilen eine Wohnung in Düsseldorf, der Bonner Verein für Gefährdetenhilfe eine Wohnung in Bonn, der Verein Dach überm Kopf eine in Münster und der Freundes- und Förderkreis Suchtkrankenhilfe eine Wuppertal. In Dortmund kaufte das Soziale Zentrum eine Wohnung und der Verein bodo vermittelte vier Mietverhältnisse und betreut die in diesen Wohnungen lebenden Menschen nach dem Housing First-Prinzip. In Herne richtet die Gesellschaft freie Sozialarbeit derzeit zwei Wohnungen her und in Espelkamp baut der Verein Hexenhaus derzeit vier Wohnungen für Housing First Mietende um. Der Verein für Psychosoziale Dienste im Kreis Mettmann und der Verein Alternative Lebensräume aus Siegen sind noch auf der Suche nach passenden Kaufobjekten. Letzterer möchte den Housing First-Ansatz auf die speziellen Bedürfnisse wohnungsloser Frauen anpassen.

Darüber hinaus renoviert die Diakonie Düsseldorf derzeit ein ganzes Haus für sieben Wohnungslose und die Düsseldorfer Drogenhilfe hat sieben Wohnungen gekauft.

Finanzielle Starthilfe und fachliches Know-how

Der Housing-First-Fonds gibt finanzielle Starthilfe für den Ankauf von Wohnungen. Auf die Mittel können sich Vereine der Wohnungslosenhilfe aus ganz NRW bewerben. Sie bekommen 20 Prozent des Ankaufspreises einer Immobilie geschenkt, verbunden mit einer Zweckbindung. Auch Umbau- und Nebenkosten können aus dem Fonds gefördert werden. Darüber hinaus stellt das Projekt fachliche Weiterbildungen zur praktischen Umsetzung von Housing First: Es gibt eine eigens an der Fachhochschule Münster konzipierte Weiterbildung. Außerdem wird das Projekt durch die Gesellschaft für innovative Sozialforschung wissenschaftlich begleitet.

Öffentliche Förderung und außergewöhnliche Unterstützung

Die Projektdurchführung wird durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW bis Ende November 2020 gefördert. NRW- Sozialminister Karl-Josef Laumann stellte den Housing-First-Fonds im Mai 2018 im Landtag der Presse vor. Dort wurde auch die ungewöhnliche Finanzierung des Fonds präsentiert: Dieser speist sich aus dem Verkauf von Kunst. Der weltbekannte Maler Gerhard Richter spendete dem Projekt eine Sonderedition. Nach der Vorstellung des Projekts im Landtag waren die ersten Bilder schnell verkauft und dank der Unterstützung weiterer Künstler ist der Housing-First-Fonds immer noch liquide. Das Projekt freut sich daher über zusätzliche Projektpartner: Noch können sich weitere Organisationen der Wohnungslosenhilfe bewerben.

 

Bild: Pixabay